Gießkanne unter den Hahn, warten, zum Beet laufen, wieder zurück: Im Hochsommer kostet das nicht nur Zeit, sondern auch Trinkwasser, für das du Wasser- und oft Abwassergebühren zahlst. Dabei fällt auf jedes Hausdach Jahr für Jahr eine beachtliche Menge Regen, die meist ungenutzt in den Kanal rauscht. Pflanzen mögen dieses weiche, kalkarme Wasser sogar lieber als Leitungswasser.
Ob eine einfache Regentonne am Fallrohr genügt oder sich eine Zisterne lohnt, hängt von der Gartengröße, deinem Dach und deinen Plänen ab. Dieser Ratgeber zeigt dir die Möglichkeiten, rechnet ein Beispiel durch und erklärt, worauf du rechtlich und technisch achten musst.
Das Wichtigste in Kürze
- Faustformel für den Ertrag: Dachfläche × Jahresniederschlag × Abflussbeiwert. In Deutschland fallen im langjährigen Mittel rund 790 Liter pro Quadratmeter.
- Eine Regentonne gibt es schon ab etwa 30 bis 150 Euro, sie reicht für kleine Gärten und Balkone.
- Eine Gartenzisterne mit rund 3.000 Litern kostet eingebaut grob 2.500 bis 4.000 Euro, je nach Boden und Eigenleistung.
- Wer Regenwasser im Haus nutzt, etwa für die Toilette, muss die Anlage beim Gesundheitsamt anzeigen und strikt vom Trinkwassernetz trennen.
- Viele Kommunen senken die Niederschlagswassergebühr oder fördern Zisternen. Anträge meist vor Baubeginn stellen.
Wie viel Regenwasser liefert dein Dach?
Die Rechnung ist einfach. Nimm die Grundfläche deines Daches, also die überdachte Fläche von oben betrachtet, und multipliziere sie mit dem Jahresniederschlag deiner Region. Der Deutsche Wetterdienst gibt für Deutschland ein langjähriges Mittel von rund 790 Litern pro Quadratmeter an, regional schwankt das allerdings stark: In Teilen Ostdeutschlands fällt deutlich weniger, am Alpenrand deutlich mehr. Zuletzt noch einen Abflussbeiwert berücksichtigen, weil nicht jeder Tropfen in der Rinne landet. Für geneigte Ziegeldächer wird oft mit etwa 0,8 gerechnet, Gründächer halten viel Wasser zurück und liefern deutlich weniger.
Beispiel: 80 m² Dachfläche × 750 Liter × 0,8 ergibt rund 48.000 Liter pro Jahr. Das ist weit mehr, als ein durchschnittlicher Garten braucht. Der Engpass ist daher selten der Regen, sondern das Speichervolumen: In Trockenphasen musst du von dem leben, was im Tank ist.
Regentonne, Regenspeicher oder Zisterne im Vergleich
| Lösung | Volumen | Kosten (grob) | Passt für |
|---|---|---|---|
| Regentonne | ca. 200–500 Liter | ab ca. 30–150 Euro | Balkon, kleine Gärten, Kübelpflanzen |
| Wandtank / Regenspeicher in Optik | ca. 300–1.000 Liter | je nach Material und Design deutlich mehr | Terrassen und Gärten, in denen der Tank sichtbar steht |
| Oberirdischer Großtank | 1.000–2.000 Liter | grob dreistelliger Bereich, je nach Modell | Gemüsegärten, Gartenhaus, Kleingarten |
| Gartenzisterne im Erdreich | ab ca. 3.000 Liter | eingebaut ca. 2.500–4.000 Euro | größere Gärten, automatische Bewässerung |
| Hausanlage für WC und Waschmaschine | ca. 5.000–10.000 Liter | eingebaut ca. 3.500–8.000 Euro | Neubau oder umfassende Sanierung |
Die Preisangaben sind Orientierungswerte aus Anbieter- und Ratgeberübersichten für 2026. Tatsächliche Kosten hängen vom Tankmaterial, von Erdaushub, Zufahrt und Bodenverhältnissen ab.
Die Regentonne: klein anfangen
Für die meisten Gärten sind eine oder mehrere Regentonnen der beste Einstieg. Eine Regentonne in Holzoptik* fügt sich unauffällig in den Garten ein. Ein Deckel ist Pflicht: Er verhindert, dass Mücken ihre Eier ablegen, Laub hineinfällt und Kinder oder Tiere hineinfallen können.
Damit die Tonne sich selbst füllt, setzt du einen Regensammler für das Fallrohr* ein. Gute Modelle stoppen den Zulauf automatisch, wenn die Tonne voll ist, das restliche Wasser läuft weiter in den Kanal. Stell die Tonne auf einen stabilen Regentonnen-Ständer*, dann passt eine Gießkanne unter den Auslaufhahn. Denk daran: Ein gefülltes 300-Liter-Fass wiegt rund 300 Kilogramm, der Untergrund muss eben und tragfähig sein.
Tipp: Mehrere Tonnen lassen sich mit einem Verbindungsset für Regentonnen* koppeln. So vergrößerst du den Speicher schrittweise, ohne gleich eine Zisterne zu bauen.
Die Zisterne: Wasser für den ganzen Sommer
Eine unterirdische Zisterne ist frostsicher, dunkel und kühl. Das Wasser bleibt dadurch lange frisch, und du siehst im Garten nur den Deckel. Kunststofftanks sind leichter und einfacher einzubauen, Betonzisternen sind schwerer, gelten aber als sehr langlebig und können saures Regenwasser etwas neutralisieren.
Diese Komponenten gehören dazu
- Filter vor dem Tank: hält Laub und Schmutz zurück, damit sich im Tank wenig Schlamm bildet.
- Beruhigter Zulauf: leitet das Wasser am Boden ein, ohne den Bodensatz aufzuwirbeln.
- Überlauf: führt überschüssiges Wasser in den Kanal oder eine Versickerung. Wohin, regelt die Gemeinde.
- Pumpe: eine Tauchdruckpumpe für Zisternen* oder eine Gartenpumpe mit schwimmender Ansaugung.
- Füllstandsanzeige: zeigt, wie viel Wasser noch vorhanden ist.
Der Einbau erfordert Erdarbeiten mit Bagger, eine fachgerechte Bettung und bei Hanglagen oder hohem Grundwasser eine sorgfältige Planung. Frag vorab bei deiner Gemeinde nach: Eine Baugenehmigung ist für private Gartenzisternen in der Regel nicht nötig, in Wasserschutzgebieten oder bei Einleitungen können aber besondere Regeln gelten.
Regenwasser im Haus: Das musst du beachten
Toilettenspülung und Waschmaschine machen einen spürbaren Teil des häuslichen Wasserverbrauchs aus, dafür reicht Regenwasser technisch aus. Rechtlich ist es aber anspruchsvoller. Nach der Trinkwasserverordnung musst du eine solche Anlage beim Gesundheitsamt anzeigen, meist vor Inbetriebnahme bzw. schon vor Baubeginn. Die Leitungen müssen komplett getrennt vom Trinkwasser verlaufen, gekennzeichnet sein, und Zapfstellen brauchen den Hinweis Kein Trinkwasser. Die Nachspeisung mit Trinkwasser darf nur über einen freien Auslauf erfolgen.
Planung und Installation gehören deshalb in die Hände eines Sanitärfachbetriebs, der sich mit der DIN 1989-100 für Regenwassernutzungsanlagen auskennt. Auf das Trinken, Kochen oder Duschen mit Regenwasser verzichtest du grundsätzlich.
Regenwasser clever im Garten einsetzen
- Morgens gießen: Die Pflanzen starten versorgt in den Tag, und weniger Wasser verdunstet.
- An die Wurzel, nicht auf die Blätter: Eine gute Gießkanne mit 10 Litern* mit abnehmbarer Brause erlaubt beides.
- Seltener, aber durchdringend gießen: So wurzeln Pflanzen tiefer und kommen besser durch Trockenphasen.
- Mulchen: Eine Schicht aus Rasenschnitt oder Stroh hält die Feuchtigkeit im Boden.
- Automatisieren: Mit einer kleinen Gartenpumpe für die Regentonne* versorgst du Schlauch oder Tropfsystem direkt aus dem Speicher.
Besonders effizient wird es, wenn du Regenwasser mit einer Tropfbewässerung kombinierst. Wie das funktioniert, erklären wir im Ratgeber Tropfbewässerung im Garten. Und bevor der erste Frost kommt, solltest du oberirdische Tonnen entleeren, mehr dazu in unserer Checkliste Garten winterfest machen.
Häufige Fragen (FAQ)
Lohnt sich eine Zisterne finanziell?
Das hängt vom Wasserpreis, der Abwassergebühr, möglichen Förderungen und dem Verbrauch ab. Ratgeberrechnungen kommen bei Hausanlagen häufig auf Amortisationszeiten von deutlich über zehn Jahren. Wer ohnehin baut oder den Garten neu anlegt, spart beim Einbau Kosten.
Muss ich eine Regentonne anmelden?
Nein. Eine Regentonne oder eine reine Gartenzisterne ohne Verbindung ins Haus musst du in der Regel nicht anmelden. Anders ist es, wenn Regenwasser im Haushalt genutzt wird oder die Gemeinde eigene Vorgaben macht, etwa zur Abwassergebühr.
Wird Regenwasser in der Tonne schlecht?
Stehendes Wasser kann bei Wärme und Licht Algen bilden und riechen. Ein dichter Deckel, ein schattiger Standort und regelmäßiges Verbrauchen helfen. Einmal im Jahr solltest du die Tonne reinigen.
Ist Regenwasser vom Dach für Gemüse geeignet?
Zum Gießen wird Regenwasser seit jeher verwendet. Bei älteren Dächern mit Kupfer- oder Zinkflächen oder bei Bitumenbahnen können sich Stoffe lösen. Gieße im Zweifel an die Erde statt direkt auf Blattgemüse und wasche Ernte vor dem Verzehr gründlich.
Kann ich die Abwassergebühr durch eine Zisterne senken?
In vielen Kommunen wird die Niederschlagswassergebühr nach der versiegelten, an den Kanal angeschlossenen Fläche berechnet. Wird Regenwasser gesammelt oder versickert, kann die Gebühr sinken. Die Regeln unterscheiden sich stark, frag bei deiner Stadt oder Gemeinde nach.
Über diesen Ratgeber
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von Heimwert Steigern recherchiert und geschrieben. Grundlage sind Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes, die Trinkwasserverordnung, die DIN 1989-100 für Regenwassernutzungsanlagen, Kostenübersichten von Anbietern und Fachportalen sowie Hinweise kommunaler Gesundheitsämter. Wir aktualisieren unsere Ratgeber, wenn sich Normen, Preise oder Förderbedingungen ändern.
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Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026