Zwei Steckdosen im Wohnzimmer, eine Sicherung für das halbe Haus, im Keller ein Verteiler mit Schmelzsicherungen und Stoffkabeln: Das ist keine Ausnahme, sondern der Normalfall in Häusern, die vor 1970 gebaut und seither nicht angefasst wurden. Die Elektroinstallation ist das Gewerk, das am längsten unbemerkt veraltet – bis eine Mehrfachsteckdose warm wird oder die Versicherung nach einem Kabelbrand Fragen stellt.
Die Kostenangaben in diesem Ratgeber sind Richtwerte für ein Einfamilienhaus mit etwa 140 Quadratmetern Wohnfläche, inklusive Material, Arbeitslohn und Mehrwertsteuer, Stand 2026. Der Stundensatz eines Elektrofachbetriebs liegt aktuell bei etwa 60 bis 100 Euro brutto, regional deutlich schwankend – er macht bei einer Komplettsanierung mehr als die Hälfte der Rechnung aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Komplette Elektrosanierung: 80 bis 150 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche – für 140 m² also etwa 11.000 bis 21.000 Euro.
- Neuinstallation nach Standard liegt bei 70 bis 95 Euro je m², mittlere Ausstattung bei 90 bis 120 Euro, Smart-Home-Vollausstattung bei 180 bis 250 Euro.
- Ein neuer Zählerschrank kostet mit Anmeldung und Verdrahtung rund 1.500 bis 3.000 Euro und ist bei fast jeder Sanierung fällig.
- Nachträglich gesetzte Steckdose: 80 bis 150 Euro je Stück inklusive Stemmen, Leitung und Verputzen.
- Elektroarbeiten am festen Netz sind Fachbetriebssache. Nur eingetragene Betriebe dürfen anschließen, prüfen und beim Netzbetreiber anmelden – daran hängt auch der Versicherungsschutz.
Warnsignale: wann die Installation raus muss
Du brauchst keinen Prüfbericht, um den Handlungsbedarf zu erkennen. Diese Merkmale sprechen für sich, und je mehr davon zusammenkommen, desto eher lohnt die Komplettsanierung statt Flickwerk.
- Kein Fehlerstromschutzschalter (FI beziehungsweise RCD) im Verteiler. Das ist das wichtigste Signal überhaupt: Ohne RCD fehlt die Schutzeinrichtung, die bei einem Fehlerstrom gegen Erde – etwa wenn ein Mensch einen spannungsführenden Leiter berührt – in Millisekunden abschaltet.
- Klassische Nullung – Schutzleiter und Neutralleiter sind im Verteiler oder an der Dose gebrückt. In Altbauten bis in die 1970er Jahre üblich, heute nicht mehr zulässig für Neuinstallationen.
- Stoffumhüllte oder gummiisolierte Leitungen, brüchige Isolierung, Leitungen ohne Schutzleiter. Zweiadrige Installationen deuten auf die Zeit vor 1973 hin – erst ab dann waren im Neubau dreiadrige Leitungen mit getrenntem Schutzleiter Pflicht.
- Aluminiumleitungen aus den 1960er und 1970er Jahren: Sie kriechen unter Klemmdruck, lockern sich und werden an Kontaktstellen warm.
- Zu wenig Stromkreise und Steckdosen. Wenn Waschmaschine und Wasserkocher gemeinsam die Sicherung auslösen, ist das Netz nicht mehr für heutige Lasten gebaut.
- Schmelzsicherungen statt Leitungsschutzschalter und ein Verteiler ohne Beschriftung oder Reserveplätze.
Für eine erste Einschätzung reichen zwei einfache Prüfmittel: Ein Steckdosentester mit FI-Prüfung* zeigt an jeder Dose, ob Schutzleiter vorhanden ist und der Fehlerstromschutzschalter auslöst. Ein zweipoliger Spannungsprüfer* gehört ohnehin in jeden Haushalt. Beides ersetzt keine Prüfung durch die Fachkraft, macht aber sichtbar, ob du ein Gespräch mit dem Elektriker führen solltest.
Kosten: pro Quadratmeter und je Position
Die Quadratmeterangabe eignet sich für die erste Budgetierung, die Einzelpositionen für den Angebotsvergleich. Beides zusammen macht Angebote prüfbar.
| Position | Richtwert 2026 | Anmerkung |
|---|---|---|
| Komplettsanierung je m² Wohnfläche | 80–150 € | alle Leitungen neu, Verteiler neu, Schlitze stemmen und verputzen inklusive |
| Neuinstallation Standardausstattung je m² | 70–95 € | Grundausstattung an Dosen und Stromkreisen |
| Neuinstallation mittlere Ausstattung je m² | 90–120 € | mehr Dosen, Netzwerk, Außensteckdosen, mehr Stromkreise |
| Smart-Home-Vollausstattung je m² | 180–250 € | Bus-System, zentrale Steuerung, motorisierte Verschattung |
| Zählerschrank erneuern | 1.500–3.000 € | Schrank, Verdrahtung, Anmeldung und Plombierung durch Netzbetreiber |
| Unterverteilung nachrüsten | 600–1.500 € | Schrank, Leitungsschutzschalter, RCD, Zuleitung |
| Steckdose oder Schalter nachträglich | 80–150 € je Stück | Unterputz mit Stemmen und Verputzen; Aufputz günstiger |
| Leitung verlegen (Unterputz) | 15–35 € je Meter | Schlitz, Leerrohr, Leitung, Verspachteln |
| Aufputz statt Unterputz | 30–50 % günstiger | sinnvoll im Keller, Dachboden, Garage, Werkstatt |
| Netzwerkverkabelung je Datendose | 120–250 € | Kabel, Dose, Patchfeld-Anschluss |
| Teilsanierung (nur Verteiler und einzelne Kreise) | 3.000–8.000 € | sinnvoll, wenn Leitungen dreiadrig und in gutem Zustand sind |
| Prüfung und Dokumentation | 250–600 € | Messprotokoll, Stromlaufplan, Verteilerbeschriftung |
Zwei Faktoren verschieben die Summe stärker als alles andere. Erstens der Wandaufbau: In Beton oder Naturstein kostet das Stemmen ein Mehrfaches gegenüber Ziegel oder Kalksandstein. Zweitens die Ausstattungsdichte – jede zusätzliche Dose kostet Material plus Arbeitszeit, und genau hier lohnt es, gründlich zu planen, statt später nachzurüsten.
Plane die Dosen einmal richtig: Geh mit einem Grundriss durch jeden Raum und markiere, wo Möbel, Fernseher, Schreibtisch, Bett und Ladegeräte stehen sollen. Nachträgliche Dosen kosten 80 bis 150 Euro, während der Sanierung nur einen Bruchteil davon. Wer dabei gleich an Leerrohre für später denkt, spart doppelt.
Ausstattungswerte: wie viele Dosen sind genug?
Für die Frage, was eine angemessene Ausstattung ist, gibt es eine Branchenrichtlinie für die Wohnungsausstattung mit elektrischen Anlagen. Sie beschreibt drei Ausstattungswerte, gestaffelt nach Raumgröße und Nutzung. In einem Wohnzimmer von etwa 20 Quadratmetern sind beim niedrigsten Ausstattungswert vier Steckdosen vorgesehen, beim höchsten zehn. Für eine Sanierung, die zwanzig Jahre halten soll, ist mindestens die mittlere Stufe sinnvoll – der Mehrpreis liegt im niedrigen dreistelligen Bereich je Raum.
Denke bei der Planung zwei Entwicklungen mit, die in den letzten Jahren jede Sanierung nachträglich teuer gemacht haben. Erstens Ladeinfrastruktur: Ein Leerrohr und eine Reserve im Verteiler für eine Wallbox kosten während der Sanierung wenige Hundert Euro, später ein Vielfaches. Zweitens Vernetzung: Wer keine Bus-Installation will, sollte zumindest Neutralleiter an allen Schalterdosen und ausreichende Dosentiefe vorsehen – damit bleibt Smart Home später eine Frage von Aktoren, nicht von Stemmarbeiten.
Was Eigenleistung sein darf – und was nicht
Die rechtliche Linie ist eindeutig: Arbeiten am festen Stromnetz dürfen nur von einer Elektrofachkraft ausgeführt oder unter ihrer Leitung erbracht werden. Ein eingetragener Betrieb ist außerdem nötig, um Änderungen beim Netzbetreiber anzumelden. Wer daran vorbei arbeitet, riskiert nicht nur die eigene Sicherheit, sondern bei einem Schaden auch Regressansprüche der Versicherung.
- Erlaubt und sinnvoll in Eigenleistung: Schlitze stemmen, Dosenlöcher bohren, Leerrohre verlegen und Dosen setzen – jeweils in Absprache mit dem Betrieb, der die Leitungsführung vorgibt.
- Ebenfalls möglich: Räume ausräumen, Tapeten entfernen, nach den Arbeiten Schlitze verspachteln, streichen, Bauschutt entsorgen.
- Nur durch die Fachkraft: Leitungen anschließen, Verteiler aufbauen und verdrahten, Geräte anschließen, messen und prüfen, Anlage in Betrieb nehmen.
- Wichtig für die Absprache: Kläre vorher schriftlich, welche Vorleistungen du übernimmst und wie sie ausgeführt sein müssen. Nachgearbeitete Eigenleistung ist teurer als keine.
Das Stemmen selbst ist körperlich hart, aber machbar. Dafür brauchst du eine Mauernutfräse*, einen Staubsauger, der an das Gerät passt, und flexibles Leerrohr* für die späteren Züge. Wenn du gleich das Netzwerk mitverlegst, nimm Verlegekabel Cat 7* – das kostet wenig mehr als Cat 6 und ist auf Jahre hinaus ausreichend. Wo Leitungen in der Wand liegen, bevor du bohrst, zeigt ein Leitungssucher*.
Ablauf, Zeitplan und Wohnen während der Arbeiten
- Bestandsaufnahme durch den Fachbetrieb: Verteiler öffnen, Leitungsquerschnitte und Aderzahl prüfen, Zählerplatz bewerten. Ergebnis ist die Entscheidung Teil- oder Komplettsanierung.
- Planung mit Grundriss: Position jeder Dose, jedes Schalters, jeder Leuchte. Dazu die Stromkreisaufteilung, Reserveplätze im Verteiler und die Leerrohre für später.
- Angebote einholen: drei Angebote auf identischer Leistungsbeschreibung, mit Stückzahlen statt Pauschalen. Positionen wie Stemmen, Verputzen und Entsorgung ausdrücklich abfragen.
- Zählerplatz mit dem Netzbetreiber klären. Bei Erhöhung der Anschlussleistung, etwa für Wärmepumpe und Wallbox, ist eine Anmeldung nötig, die Wochen dauern kann.
- Rohinstallation: stemmen, Leitungen ziehen, Dosen setzen. Das ist die staubintensive Phase, in der Räume komplett leer sein müssen.
- Verschließen und verputzen, dann Malerarbeiten. Erst danach werden Schalter, Dosen und Leuchten endmontiert.
- Prüfung, Messprotokoll und Abnahme: Durchgängigkeit des Schutzleiters, Isolationswiderstand, Auslösung der Schutzeinrichtungen, Beschriftung des Verteilers, Stromlaufplan.
Zeitlich rechne bei einer Komplettsanierung mit zwei bis vier Wochen reiner Elektroarbeit, plus Putz- und Malerarbeiten danach. Wohnen im Haus geht nur etagenweise: Ein Raum mit Strom, Küche provisorisch über eine Baustromverteilung, Bad zuletzt. Praktikabler ist es, die Elektrik in eine ohnehin geplante Renovierung einzubetten, weil Wände und Böden dann ohnehin offen sind – die Reihenfolge der Gewerke behandelt unser Ratgeber zur Sanierungsreihenfolge im Altbau.
Das Prüfprotokoll ist dein wichtigstes Dokument: Lass dir Messprotokoll, Stromlaufplan und Verteilerbeschriftung aushändigen und hefte sie zu den Hausunterlagen. Nach einem Brand- oder Wasserschaden fragt die Versicherung nach dem Zustand der Anlage – ohne Nachweis wird aus einem Schadensfall schnell eine Diskussion über Mitverschulden.
Wertsteigerung und Versicherung
Eine neue Elektroinstallation ist die unsichtbarste aller Sanierungen und trotzdem eine der wirksamsten. Käufer und Gutachter fragen früh nach dem Baujahr der Elektrik, weil sie den größten unkalkulierbaren Posten darstellt: Wer ein Haus mit dokumentiert erneuerter Installation verkauft, nimmt Interessenten genau das Argument, mit dem sie sonst 15.000 bis 20.000 Euro vom Preis abziehen. Welche Maßnahmen sich am stärksten auf den Verkaufswert auswirken, haben wir in Immobilienwert steigern zusammengestellt.
Versicherungsseitig gilt: Eine Wohngebäudeversicherung zahlt bei einem Kabelbrand grundsätzlich, kann Leistungen aber kürzen, wenn eine erkennbar mangelhafte Anlage weiterbetrieben wurde. Wer die Zusammenhänge selbst nachlesen möchte, findet sie verständlich erklärt in einem Fachbuch zur Elektroinstallation*.
Häufige Fragen (FAQ)
Muss ich meine alte Elektroinstallation erneuern lassen?
Eine allgemeine Pflicht zur Nachrüstung bestehender Anlagen gibt es nicht; Bestandsanlagen dürfen weiterbetrieben werden. Sobald aber eingegriffen wird – neue Leitungen, neuer Verteiler, Anbau –, muss der geänderte Teil dem aktuellen Stand entsprechen. Bei fehlendem Fehlerstromschutz ist eine Nachrüstung faktisch unverzichtbar.
Reicht eine Teilsanierung aus?
Wenn die vorhandenen Leitungen dreiadrig, unbeschädigt und ausreichend dimensioniert sind, kann ein neuer Verteiler mit Fehlerstromschutz und einzelne zusätzliche Stromkreise genügen – für 3.000 bis 8.000 Euro. Bei zweiadrigen Leitungen, klassischer Nullung oder Aluminium führt kein Weg an der Komplettsanierung vorbei.
Kann ich Schlitze selbst stemmen, um Geld zu sparen?
Ja, das ist die häufigste und sinnvollste Eigenleistung. Sprich die Leitungsführung vorher mit dem Betrieb ab, halte die zulässigen Installationszonen ein und arbeite mit Absaugung. Realistisch sparst du 10 bis 20 Prozent der Gesamtkosten, dafür investierst du mehrere Arbeitstage.
Wie viele Stromkreise braucht ein Einfamilienhaus?
Bei mittlerer Ausstattung sind etwa zwölf bis zwanzig Stromkreise üblich: eigene Kreise für Küche, Geschirrspüler, Waschmaschine, Trockner, Bad, Heizung und Außenbereich, dazu getrennte Licht- und Steckdosenkreise je Etage. Reserveplätze im Verteiler für Wallbox und Photovoltaik solltest du einplanen.
Gibt es Förderung für eine neue Elektroinstallation?
Für die Elektrik allein nicht. Einzelne Bestandteile können aber gefördert sein, etwa Maßnahmen im Rahmen eines altersgerechten Umbaus oder eine Ladeinfrastruktur über Landesprogramme. Handwerkerlohn lässt sich zudem als Handwerkerleistung steuerlich absetzen, wenn keine andere Förderung greift.
Über diesen Ratgeber
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von Heimwert Steigern recherchiert und geschrieben. Grundlage sind die Branchenrichtlinie für die Ausstattung von Wohnungen mit elektrischen Anlagen, Marktpreisübersichten und Handwerkerkalkulationen für Elektroarbeiten aus dem Jahr 2026, die Anforderungen der Netzbetreiber an Zählerplätze sowie Herstellerangaben zu Verteilern und Schutzeinrichtungen. Wir aktualisieren unsere Ratgeber, wenn sich Normen, Preise oder Förderbedingungen ändern.
Die Inhalte ersetzen keine individuelle Fach-, Rechts- oder Steuerberatung. Arbeiten an Strom, Gas, Statik und Abdichtung gehören in die Hände von Fachbetrieben.
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Zuletzt aktualisiert: 26. September 2026