Trockenbau: Wand einziehen und Räume neu aufteilen

Mit Ständerwerk und Gipskartonplatten teilst du Räume in wenigen Tagen neu auf. Anleitung zu Profilen, Achsabstand, Dämmung, Schallschutz und den Qualitätsstufen Q1 bis Q4.

Ein zu großes Wohnzimmer, aber kein Arbeitsplatz. Ein langer Schlauch von Raum, der nie richtig genutzt wird. Ein Kinderzimmer, aus dem zwei werden sollen. Für solche Fälle ist Trockenbau die eleganteste Lösung: Eine Ständerwand aus Metallprofilen und Gipskartonplatten steht in zwei bis drei Tagen, wiegt einen Bruchteil einer Mauer und lässt sich später wieder entfernen.

Sauber wird das Ergebnis aber nur, wenn du ein paar Grundregeln einhältst. Dieser Ratgeber erklärt den Aufbau, die richtigen Abstände, den Schallschutz und die Qualitätsstufen für die Spachtelung, damit die neue Wand nicht als Provisorium zu erkennen ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Trockenbauwand besteht aus UW-Profilen an Boden und Decke, CW-Profilen senkrecht dazwischen und ein- oder zweilagiger Beplankung.
  • Der übliche Achsabstand der CW-Profile ist 62,5 Zentimeter, also die halbe Plattenbreite. Bei hoher Belastung rückst du auf 41,7 Zentimeter.
  • Der Hohlraum wird mit Mineralwolle gefüllt, sonst wirkt die Wand wie eine Trommel.
  • Die Qualitätsstufen Q1 bis Q4 beschreiben, wie fein gespachtelt wird. Für Tapete und matte Farbe genügt Q2, für Streiflicht und Glanz braucht es Q4.
  • Eine Trockenbauwand ist nicht tragend. Wer eine bestehende Wand entfernen will, braucht vorher einen Statiker.

Erst prüfen: Darf die Wand da hin?

Innerhalb einer Wohnung ist eine nicht tragende Trennwand in der Regel unkritisch, aber es gibt Punkte, die du vorher klären musst. Jeder Aufenthaltsraum braucht ausreichend Tageslicht und Lüftung. Teilst du ein Zimmer so, dass die hintere Hälfte kein Fenster mehr hat, entsteht kein zweites Kinderzimmer, sondern eine Abstellkammer, und beim Verkauf zählt die Fläche eventuell anders.

Weiter gilt: Rettungswege dürfen nicht zugebaut werden, jeder abgetrennte Schlafraum braucht einen Rauchwarnmelder, und Heizkörper, Fenster und Steckdosen sollten sinnvoll auf die neuen Räume verteilt bleiben. In Mietwohnungen brauchst du die Zustimmung des Vermieters. Bestehende Wände dürfen nur nach statischer Prüfung geöffnet werden, das ist keine Ermessensfrage.

Bevor du bohrst: Prüfe mit einem Leitungssucher, ob in Decke und Boden Leitungen liegen. Bei Fußbodenheizung darf nicht in den Estrich gebohrt werden, dort wird das UW-Profil verklebt oder außerhalb der Heizkreise befestigt. Alle Elektroarbeiten in der neuen Wand gehören in die Hand einer Elektrofachkraft.

Material und Werkzeug

Der Materialbedarf lässt sich gut überschlagen: Für die CW-Profile teilst du die Wandlänge durch 0,625 Meter und rechnest ein Profil dazu. Die Plattenfläche ist die Wandfläche mal zwei bei einlagiger Beplankung, mal vier bei zweilagiger. Die Profilbreite bestimmt, wie dick die Wand wird und wie viel Dämmung hineinpasst.

ProfilWandstärke einlagig beplanktTypischer Einsatz
CW 50etwa 75 mmeinfache Raumteiler, geringe Höhe
CW 75etwa 100 mmStandard für Zimmertrennwände, guter Schallschutz
CW 100etwa 125 mmhohe Wände, Installationen, bester Schallschutz
Metallständerwerk einer neuen Trennwand in einem leeren Zimmer

Schritt für Schritt: Ständerwand aufbauen

  1. Wandlinie anlegen: Position am Boden anreißen und mit dem Laser auf Decke und Seitenwände übertragen. Ein Fehler von einem Zentimeter hier zeigt sich oben als sichtbare Schräge.
  2. UW-Profile setzen: Dichtband auf die Rückseite kleben, Profile an Boden und Decke befestigen, Dübel etwa alle 60 bis 80 Zentimeter. Das Dichtband ist kein Zubehör, sondern entscheidend für den Schallschutz.
  3. CW-Profile einstellen: Etwa einen Zentimeter kürzer als die Raumhöhe ablängen, damit die Wand Deckenbewegungen aufnehmen kann. Profile im Achsabstand von 62,5 Zentimetern von einer Wand aus einstellen, offene Seite in Arbeitsrichtung.
  4. Türöffnung verstärken: Für Zargen kommen verstärkte Profile und ein Sturz zum Einsatz. Wenn später schwere Lasten an die Wand sollen, etwa ein Fernseher oder Hängeregal, jetzt ein Traversenprofil oder eine Einbauplatte im Ständerwerk vorsehen.
  5. Erste Seite beplanken: Platten senkrecht ansetzen, etwa einen Zentimeter über dem Boden auf Unterlagen aufstellen. Stöße müssen immer auf einem Profil liegen. Schraubabstand rund 25 Zentimeter, Schraube leicht versenkt.
  6. Installation und Dämmung: Elektroleitungen durch die vorgestanzten Öffnungen führen, Hohlwanddosen setzen, Hohlraum satt aber nicht gepresst mit Mineralwolle füllen.
  7. Zweite Seite beplanken: Platten gegenüber der ersten Seite um eine halbe Plattenbreite versetzt anordnen. Bei zweilagiger Beplankung die zweite Lage ebenfalls versetzt schrauben.
  8. Fugen spachteln: Fugen mit Deckstreifen einbetten, Schraubenköpfe überspachteln, trocknen lassen, leicht schleifen und je nach Qualitätsstufe ein zweites oder drittes Mal spachteln.

Schallschutz: der Unterschied zwischen dünn und richtig

Wer eine Wand einzieht, will meist Ruhe. Drei Faktoren entscheiden darüber, und sie wirken nur zusammen: die Dämmung im Hohlraum, die Masse der Beplankung und die Entkopplung an den Anschlussstellen. Eine Wand mit Dämmung, aber ohne Dichtband an Boden und Decke, verliert einen großen Teil der Wirkung über die starre Verbindung.

Herstellerangaben nennen für einfach beplankte Wände mit CW-75-Profilen und Dämmung bewertete Schalldämmmaße im Bereich von etwa 45 Dezibel, bei doppelter Beplankung liegen die Werte deutlich höher. Diese Laborwerte werden in der Praxis nicht ganz erreicht, weil Schall auch über Decke, Boden und angrenzende Wände läuft. Als Orientierung gilt: Für ein Arbeitszimmer, in dem du telefonierst, ist die doppelte Beplankung fast immer den Aufpreis wert. Ideen für die Einrichtung dahinter findest du im Ratgeber Homeoffice einrichten.

  • Steckdosen nicht direkt gegenüberliegend in beiden Wandseiten platzieren, das schwächt die Wand akustisch.
  • Türen sind die Schwachstelle jeder Trennwand: Eine dichtschließende Tür mit Bodendichtung bringt oft mehr als eine dickere Wand.

Qualitätsstufen Q1 bis Q4 verstehen

Diese Stufen sind kein Qualitätsurteil über die Handwerker, sondern eine Leistungsbeschreibung. Wer sie bei der Beauftragung nicht nennt, bekommt meist Q2, und ärgert sich anschließend über sichtbare Fugen unter der Wandleuchte.

StufeWas gemacht wirdGeeignet für
Q1Fugen nur gefüllt, keine optischen AnforderungenFlächen hinter Vorwandinstallation oder Fliesen
Q2Standardverspachtelung, Übergänge geglättetTapete, matte Wandfarbe, strukturierter Putz
Q3zusätzlich breiter überspachtelt, Poren geschlossenglatte Tapeten, feine Putze, dunkle Farbtöne
Q4vollflächige Spachtelung der ganzen WandGlanzlack, Metalltapete, Wände im Streiflicht

Praktischer Hinweis: Eine Wand mit großen Fenstern seitlich davon oder mit Wandleuchten braucht Q3 oder Q4, weil flach einfallendes Licht jede Unebenheit verrät. Eine Wand in einer ruhigen Ecke, zum Beispiel hinter dem Sessel deiner Leseecke oder in einer Ruheecke, ist mit Q2 gut bedient.

Frisch verspachtelte Fugen einer Gipskartonwand im Streiflicht

Lasten an der Trockenbauwand befestigen

Gipskarton trägt mehr, als viele denken, aber nur mit dem richtigen Befestigungsmittel. Für Bilder, leichte Regale und Garderobenhaken reichen Hohlraumdübel für Gipskarton*, die sich hinter der Platte aufspreizen. Verteile mehrere Punkte und beachte die Herstellerangabe zur Tragfähigkeit, denn sie gilt pro Dübel und nicht für weit auskragende Lasten.

Hängeschränke, Fernsehhalterungen, Waschtische oder Wandheizkörper gehören dagegen an eine Verstärkung im Ständerwerk. Wenn du beim Aufbau nicht weißt, wo später etwas hängt, baue vorsichtshalber eine durchgehende Einbauplatte in der üblichen Höhe ein. Nachträglich geht das nur durch Öffnen der Wand.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie lange dauert es, eine Trockenbauwand einzuziehen?

Für eine Wand von etwa drei bis vier Metern Länge sind zwei Arbeitstage für Ständerwerk, Dämmung und Beplankung realistisch. Dazu kommen die Spachtelgänge mit Trockenzeiten, sodass insgesamt drei bis fünf Tage bis zur streichfertigen Wand vergehen.

Warum 62,5 Zentimeter Achsabstand?

Gipskartonplatten sind 125 Zentimeter breit. Bei 62,5 Zentimetern Achsabstand liegt jeder Plattenstoß auf einem Profil, und in der Mitte der Platte gibt es eine zusätzliche Auflage. Bei zweilagiger Beplankung, Fliesen oder hohen Wänden wird auf 41,7 Zentimeter verdichtet.

Kann ich eine Trockenbauwand im Bad verwenden?

Ja, mit imprägnierten Platten und einer fachgerechten Abdichtung im Spritzwasserbereich. In der Dusche gelten besondere Anforderungen an Abdichtung und Aufbau, das ist ein Fall für den Fachbetrieb.

Was kostet eine Trockenbauwand?

In Eigenleistung liegt das Material für Profile, Platten, Dämmung, Schrauben und Spachtelmasse grob bei 25 bis 45 Euro pro Quadratmeter Wandfläche. Mit Fachbetrieb solltest du inklusive Arbeit eher mit 60 bis 120 Euro pro Quadratmeter rechnen, je nach Aufbau und Qualitätsstufe.

Darf ich eine bestehende Wand entfernen und durch Trockenbau ersetzen?

Nur nach statischer Prüfung. Ob eine Wand tragend ist, lässt sich nicht an der Dicke oder am Klang ablesen. Beauftrage einen Statiker oder Bauingenieur, der die Situation vor Ort bewertet und bei Bedarf einen Unterzug dimensioniert.

Über diesen Ratgeber

Dieser Artikel wurde von der Redaktion von Heimwert Steigern recherchiert und geschrieben. Grundlage sind die Verarbeitungsrichtlinien und Systemunterlagen der Gipsplattenhersteller, die Qualitätsstufen für das Verspachteln von Gipsplatten nach dem einschlägigen Merkblatt des Bundesverbands der Gipsindustrie sowie Praxiserfahrungen aus Ausbauprojekten. Wir aktualisieren unsere Ratgeber, wenn sich Normen, Preise oder Förderbedingungen ändern.

Die Inhalte ersetzen keine individuelle Fach-, Rechts- oder Steuerberatung. Arbeiten an Strom, Gas, Statik und Abdichtung gehören in die Hände von Fachbetrieben.

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Zuletzt aktualisiert: 26. September 2026

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