Gelbstichige Türblätter mit Dellen, eine Zarge, deren Dichtung bröselt, und eine Tür, die man anheben muss, damit sie ins Schloss fällt: In vielen Häusern aus den Siebzigern und Achtzigern sind die Innentüren das letzte Bauteil, das noch niemand angefasst hat. Dabei fasst man sie in jedem Raum an, und sie prägen den Eindruck einer Wohnung stärker als die meisten glauben.
Der Austausch ist gut in Eigenleistung zu schaffen, wenn zwei Dinge stimmen: das Aufmaß und die Geduld beim Ausrichten. Eine Zarge, die zwei Millimeter aus dem Lot steht, hat eine Tür, die von selbst aufschwingt. Hier geht es in der realen Reihenfolge weiter, vom Maßnehmen bis zur letzten Umdrehung am Band.
Das Wichtigste in Kürze
- Innentüren werden nach Baurichtmaß bestellt, üblich sind 61/86/98,5 Zentimeter Breite bei 198,5 Zentimeter Höhe. Die Wandöffnung ist jeweils etwa einen Zentimeter größer.
- Für die Bestellung brauchst du drei Angaben: Wandöffnung, Wandstärke und Anschlagrichtung (DIN links oder DIN rechts).
- Eine Renovierungszarge wird über die alte Stahlzarge geschraubt und spart den Abbruch. Die Umfassungszarge ist der Standard beim Neueinbau.
- Die Zarge muss lot- und fluchtrecht stehen, bevor Schaum hineinkommt. Danach ist nichts mehr zu korrigieren.
- Richtwert: 120 bis 400 Euro Material pro Tür mit Zarge, Montage durch den Fachbetrieb 50 bis 150 Euro je Tür.
Aufmaß und Normmaße: die drei Zahlen, die alles entscheiden
Türen werden nach Baurichtmaß verkauft. Eine Tür mit dem Baurichtmaß 86 x 198,5 hat ein Türblatt von etwa 85,8 x 198,5 Zentimetern, die passende Rohbauöffnung liegt bei rund 87,5 x 199,5 Zentimetern. Die Zarge füllt die Differenz. Miss die Öffnung an drei Stellen: oben, mittig, unten. In Altbauwänden weichen die Werte gern um einen Zentimeter ab, und maßgeblich ist immer das kleinste Maß.
Die zweite Zahl ist die Wandstärke, gemessen im Putz und nicht am nackten Mauerwerk. Umfassungszargen gibt es in Stufen, meist für 75 bis 100, 100 bis 125 und 125 bis 145 Millimeter. Zu breit gewählt heißt: Die Zarge liegt nicht an. Zu schmal heißt: Sie steht über. Das Falzmaß ist das Maß des Türblatts samt umlaufender Falzstufe und wird wichtig, wenn du nur ein Türblatt nachkaufst.
Vor dem Bestellen: Notiere pro Tür eine Zeile mit Öffnungsmaß, Wandstärke, Anschlagrichtung und Bodenaufbau. Bei fünf Türen sind zwei Verwechslungen fast garantiert, und eine falsch bestellte Zarge ist als Sonderanfertigung oft nicht umtauschbar.
Zargentypen im Vergleich
| Zargentyp | Wie sie sitzt | Geeignet für | Richtwert Material |
|---|---|---|---|
| Umfassungszarge | umfasst die Wand beidseitig, verdeckt Putzkanten | Standard bei Neueinbau und nach Abbruch | 90 bis 300 Euro |
| Blockzarge | massiver Block in der Wandöffnung, ohne Bekleidung | hochwertige Optik, dicke Wände, Nischen | 250 bis 700 Euro |
| Renovierungszarge | wird über die vorhandene Stahlzarge geschraubt | Sanierung ohne Stemmarbeiten | 120 bis 320 Euro |
| Stahlzarge | beim Rohbau eingemauert oder verschraubt | Keller, Technikraum, Wohnungsabschluss | 70 bis 180 Euro |
Renovierungszargen verringern die Durchgangsbreite je Seite um etwa einen Zentimeter. Bei einer schmalen Badtür merkt man das, bei 98,5 Zentimetern kaum. Wer über altersgerechte Durchgänge nachdenkt, sollte den Verlust nicht in Kauf nehmen; worauf es dabei ankommt, steht im Ratgeber barrierefrei umbauen.
Material und Werkzeug
- Zarge und Türblatt als Set, dazu Zargendichtung als Meterware*, falls die mitgelieferte Dichtung nicht passt.
- Ein Satz Zargenspreizer*. Drei Stück pro Tür sind das Minimum.
- Montageschaum für Türzargen* mit geringem Nachdruck. Normaler Bauschaum drückt die Zarge nach innen.
- Eine Wasserwaage mit 180 Zentimetern* für das Lot über die ganze Zargenhöhe.
- Montagekeile aus Buche* zum Unterlegen und Feinjustieren.
- Ein oszillierendes Multifunktionswerkzeug* zum Trennen alter Zargenanker und Schaumreste.
- Ein Akku-Bohrschrauber* und Innensechskantschlüssel* für die Bandeinstellung.
- Acryl in Weiß* für den Wandanschluss, dazu ein Cutter mit Abbrechklingen*.
- Beschläge: Türdrücker-Garnitur* und bei Bedarf ein verstellbares Schließblech*.
Soll das Türblatt gekürzt werden, brauchst du eine Handkreissäge mit Führungsschiene* und feines Schleifpapier im Sortiment* für die Schnittkante.
Schritt für Schritt: alte Zarge raus, neue Tür rein
- Tür aushängen und Zarge lösen: Türblatt abnehmen, Dichtung ziehen, Bekleidung abhebeln. Holzzargen an zwei Stellen durchtrennen, dann lassen sie sich nach innen herausdrücken. Stahlzargen müssen an den Ankern getrennt werden.
- Öffnung säubern: Schaumreste, Mörtelbatzen und lose Putzkanten entfernen, dann das endgültige Maß nehmen und gegen die gelieferte Zarge halten.
- Zarge zusammenstecken: Gehrungen passgenau fügen, Verbinder handfest anziehen.
- Bandseite ausrichten: Zuerst nur den Bandseiten-Schenkel einsetzen, mit Keilen unterlegen und über die ganze Höhe ins Lot bringen. Dieser Schenkel trägt die Last.
- Einspreizen: Zarge komplett einsetzen, mit drei Spreizern auf Maß bringen, dann kontrollieren: Lot in beiden Achsen, Flucht zur Wand, gleiche Diagonalen. Zuletzt von der Seite über beide Falzkanten peilen, damit die Zarge nicht verdreht steht.
- Türblatt zur Probe einhängen: Noch vor dem Schaum. Die Tür muss in jeder Stellung stehen bleiben. Wandert sie von allein zu oder auf, korrigierst du jetzt.
- Ausschäumen: Fugen vornässen, Schaum in mehreren kurzen Raupen von unten nach oben einbringen, nicht in einem Zug volldrücken. Mindestens zwölf Stunden gespreizt lassen, dann Überstand abschneiden.
- Bänder und Schließblech einstellen: Erst die Höhe, dann die Seite, zuletzt den Anpressdruck so, dass die Dichtung anliegt, aber nicht quietscht. Sitzt die Falle nicht mittig, wird das Schließblech versetzt statt das Band überdreht.
- Anschlüsse schließen: Dichtung einziehen, Fuge zwischen Zarge und Wand mit Acryl abziehen, Drücker montieren. Erst danach die Sockelleisten heranführen.
Bodenabstand, Lüftung und gekürzte Türblätter
Der Luftspalt unter der Tür hat eine Funktion. Räume ohne eigene Zuluft, vor allem Bad und WC mit Abluftventilator, holen ihre Nachströmluft von dort. Übliche Werte liegen bei sieben bis zehn Millimetern über Fertigboden. Wird der Spalt zugebaut, zieht der Ventilator nichts ab, und die Feuchte bleibt im Raum, wie der Ratgeber Schimmel vermeiden und entfernen zeigt.
Häufigster Fall beim Umbau: Der Boden wird aufgebaut. Dämmunterlage plus Klickvinyl bringen schnell acht Millimeter, ein Estrich mit Parkett deutlich mehr. Plane das vor der Türbestellung ein. Beim Kürzen sind zwei bis drei Zentimeter meist unkritisch, mehr nicht, weil sonst der untere Rahmenholm wegfällt. Schneide von der Sichtseite her und versiegle die Kante. Welche Aufbauhöhe dein Bodenwunsch mitbringt, klärt Boden verlegen.
Schwelle im Bad: Statt einer Schwelle arbeiten viele mit einer absenkbaren Bodendichtung, die beim Schließen auf den Boden fährt. Das hält Schall und Zugluft zurück, ohne Stolperkante. Für die Nachströmluft braucht es dann eine andere Öffnung, etwa ein Lüftungsgitter in der Zarge.
Typische Fehler
- Zu früh geschäumt. Solange die Probetür nicht sauber steht, ist die Zarge nicht fertig.
- Falscher Schaum. Bauschaum treibt stark nach und zieht die Schenkel zusammen, die Tür klemmt anschließend.
- Spreizer zu straff. Eine überspannte Zarge bekommt einen bauchigen Falz und eine Tür, die oben schleift.
- Wandstärke ohne Putz gemessen. Zwei Zentimeter Putz je Seite machen aus einer 100er Wand eine 104er.
- Bodenaufbau vergessen. Die häufigste Ursache für Türblätter, die nachträglich gekürzt werden müssen.
Kosten und Zeitaufwand
Eine einzelne Tür ist ein Halbtagsprojekt, wenn die alte Zarge kooperiert. Bei fünf Türen lohnt Serienarbeit: erst alle ausbauen, dann alle Zargen setzen, am nächsten Tag alle einstellen.
| Position | Richtwert | Zeit pro Tür |
|---|---|---|
| Türblatt weiß, Röhrenspan | 60 bis 140 Euro | — |
| Türblatt Vollspan oder CPL-Dekor | 130 bis 350 Euro | — |
| Umfassungszarge | 90 bis 300 Euro | — |
| Kleinmaterial (Schaum, Acryl, Dichtung) | 30 bis 50 Euro | — |
| Ausbau der alten Zarge | Eigenleistung | 1 bis 2 Stunden |
| Zarge setzen und ausschäumen | Eigenleistung | 1,5 bis 2,5 Stunden |
| Montage durch Fachbetrieb | 50 bis 150 Euro je Tür | — |
Das sind Richtwerte, die regional schwanken; bei Sonderbreiten und Glasausschnitten liegen sie höher. Einheitliche, leise schließende Türen in allen Räumen wirken bei einer Besichtigung stärker als manche teurere Maßnahme, weil jeder Interessent sie anfasst. Sind die alten Türblätter noch stabil, ist Innentüren lackieren die günstigere Alternative.
Wo der Fachbetrieb ran muss
Der Türtausch in einer bestehenden Öffnung ist genehmigungsfrei. Willst du die Öffnung vergrößern, braucht es in einer tragenden Wand eine statische Beurteilung und meist einen Sturz. Brand- und Rauchschutztüren, etwa zum Treppenraum oder zur Garage, dürfen nur nach Herstellervorgabe eingebaut werden und brauchen einen Nachweis. In der Mietwohnung sind Türen Bestandteil der Mietsache: Ein Austausch braucht Absprache, und die alten Türen solltest du einlagern.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie erkenne ich DIN links und DIN rechts?
Stelle dich auf die Seite, zu der die Tür von dir weg aufschlägt. Liegen die Bänder dann rechts, ist es DIN rechts, liegen sie links, DIN links. Bei Renovierungszargen wird die Richtung der alten Zarge übernommen.
Kann ich nur das Türblatt tauschen und die Zarge behalten?
Ja, wenn Falzmaß, Bandtyp und Bandabstand übereinstimmen. Miss Breite, Höhe und Falzstufe des alten Blatts und notiere die Lage der Bandtaschen. Passt der Bandabstand nicht, muss gefräst werden, und dann ist die neue Zarge meist der sauberere Weg.
Wie viel Luftspalt braucht die Tür unten?
Sieben bis zehn Millimeter über Fertigboden sind üblich, in Räumen mit Abluftventilator wird oft mehr vorgesehen. Prüfe den Wert vor dem Verlegen eines neuen Bodens, denn kürzen lässt sich ein Türblatt nur begrenzt.
Reicht Bauschaum, oder brauche ich speziellen Zargenschaum?
Nimm Zargen- oder Fensterschaum mit geringem Nachdruck. Normaler Bauschaum dehnt sich stärker aus und kann die Zargenschenkel zusammenziehen. Ausspreizen bleibt trotzdem Pflicht, kein Schaum ersetzt die Spreizer.
Was bringt eine Tür mit besserem Schallschutz?
Den größten Unterschied macht die Masse des Türblatts. Eine Vollspantür mit umlaufender Dichtung und Bodendichtung dämmt hörbar besser als eine Röhrenspantür mit Luftspalt. Für Arbeits- und Schlafräume ist das meist sinnvoller als eine dickere Wand.
Über diesen Ratgeber
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von Heimwert Steigern recherchiert und geschrieben. Grundlage sind Montageanleitungen und Maßtabellen der Zargenhersteller, die in Deutschland übliche Baurichtmaß-Staffelung für Innentüren, Herstellerangaben zu Zargenschaum und Bandverstellung sowie aktuelle Marktpreise aus Baumärkten und Handwerkerportalen (Stand 2026). Wir aktualisieren unsere Ratgeber, wenn sich Normen, Preise oder Förderbedingungen ändern.
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Zuletzt aktualisiert: 26. September 2026