Die Außenwand ist die größte Fläche deines Hauses. Entsprechend groß ist der Anteil, den sie am Wärmeverlust hat – und entsprechend groß ist der Aufwand, sie zu dämmen. Eine Fassadendämmung ist deshalb keine Wochenendaktion, sondern ein Projekt mit Gerüst, Fachbetrieb und mehreren Wochen Bauzeit.
Es gibt aber einen Sonderfall, der vieles einfacher macht: Hat dein Haus ein zweischaliges Mauerwerk mit Luftschicht, kann eine Einblasdämmung an einem einzigen Arbeitstag erledigt sein – zu einem Bruchteil der Kosten. Dieser Ratgeber zeigt dir die vier gängigen Verfahren, was sie kosten und wann welches passt. Stand ist September 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Für die BAFA-Förderung muss die fertige Außenwand maximal 0,20 W/(m²K) erreichen. Bei zu schmaler Hohlschicht gilt als Sonderregel ein Dämmstoff mit Lambda kleiner oder gleich 0,035 W/(m·K).
- Ein WDVS kostet grob 90 bis 200 Euro je m² plus 8 bis 15 Euro je m² Gerüst.
- Die Kerndämmung im zweischaligen Mauerwerk liegt bei nur 15 bis 30 Euro je m² – wenn die Voraussetzungen stimmen.
- Innendämmung kostet 40 bis 100 Euro je m², ist bauphysikalisch aber anspruchsvoll und braucht einen Nachweis.
- Gefördert werden 15 Prozent der Kosten, förderfähig sind 30.000 Euro je Wohneinheit, mit iSFP 60.000 Euro.
Zuerst prüfen: Was ist das für eine Wand?
Die Verfahren unterscheiden sich nicht nach Geschmack, sondern nach Bestand. Kläre deshalb vor allem anderen drei Punkte: Ist das Mauerwerk einschalig oder zweischalig? Steht das Gebäude oder die Fassade unter Denkmalschutz oder hat sie eine erhaltenswerte Gestaltung? Und wie viel Platz hast du nach außen, etwa an der Grundstücksgrenze, am Dachüberstand und an Fensterlaibungen?
Zweischaliges Mauerwerk erkennst du oft am Sichtmauerwerk mit Klinkerverblendung, an offenen Stoßfugen in der unteren Reihe und an der Mauerwerksdicke an Fensteröffnungen. Sicherheit gibt aber nur die Prüfung durch einen Fachbetrieb: Er bohrt ein kleines Loch und schaut mit einer Kamera in die Luftschicht. Für eine erste eigene Einschätzung an Hohlräumen, hinter Vorsatzschalen oder in Rollladenkästen reicht eine Endoskopkamera* – die Freigabe für eine Einblasdämmung trifft aber der Betrieb, nicht du.
Die vier Verfahren im Vergleich
| Verfahren | Voraussetzung | Kosten je m² (Richtwerte) | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Kerndämmung / Einblasdämmung | zweischaliges Mauerwerk, Hohlschicht trocken und intakt | 15–30 € | Sehr günstig, ein Arbeitstag, Fassade bleibt unverändert; Dämmwirkung durch Hohlraumbreite begrenzt |
| WDVS (Wärmedämm-Verbundsystem) | einschaliges Mauerwerk, Putzfassade | 90–200 € plus Gerüst 8–15 € | Frei wählbare Dämmstärke, erreicht 0,20 W/(m²K) sicher; teuer, verändert die Fassadenoptik |
| Vorhangfassade / hinterlüftete Fassade | Platz nach außen, Holz- oder Faserzementbekleidung gewünscht | meist über 200 € | Robust und dauerhaft, große Dämmstärken möglich; hohe Kosten |
| Innendämmung | Fassade darf nicht verändert werden | 40–100 € | Letzter Ausweg bei Denkmalschutz; bauphysikalisch anspruchsvoll, kostet Wohnfläche |
Beim WDVS bestimmt der Dämmstoff den Preis: EPS-Platten liegen grob bei 90 bis 130 Euro je Quadratmeter, Mineralwolle bei 110 bis 160 Euro, Holzfaserdämmplatten bei 140 bis 200 Euro. Mineralwolle ist nicht brennbar und daher ab bestimmten Gebäudehöhen oder in Brandriegeln vorgeschrieben, Holzfaser bringt zusätzlich sommerlichen Hitzeschutz. Typische Wärmeleitfähigkeiten: EPS und Mineralwolle 0,032 bis 0,040 W/(m·K), Holzfaser 0,037 bis 0,052.
Kerndämmung: günstig, aber mit Bedingungen
Bei der Kerndämmung bläst ein Fachbetrieb schachbrettartig durch Bohrlöcher von etwa 18 bis 22 Millimetern Dämmstoff in die Luftschicht zwischen Verblend- und Tragschale. Danach werden die Löcher mit passendem Mörtel geschlossen. Ein Einfamilienhaus ist meist an einem Arbeitstag fertig, es fällt kein Gerüst für Putzarbeiten an, und die Fassade sieht hinterher aus wie vorher.
- Hohlraumbreite: Technisch ist eine Verfüllung ab etwa 2 bis 3 Zentimetern möglich, energetisch und wirtschaftlich sinnvoll wird sie meist erst ab 4 bis 5 Zentimetern.
- Nur hydrophobe Dämmstoffe: Üblich sind Mineralwollgranulat, EPS-Perlen oder Perlite. Zellulose ist hier ausgeschlossen, weil sie Feuchte aus dem Mauerwerk aufnehmen würde.
- Schalen müssen trocken und intakt sein. Risse in der Vormauerschale, fehlende Entwässerungsöffnungen oder starker Schlagregen sind Ausschlussgründe, bis die Außenschale saniert ist.
- Mörtelbrücken und Bauschutt in der Hohlschicht verhindern eine lückenlose Verfüllung und müssen vorher gefunden werden.
- Sonderregel für die Förderung: Lässt die Hohlraumbreite den U-Wert von 0,20 W/(m²K) rechnerisch nicht zu, genügt ein Dämmstoff mit Lambda kleiner oder gleich 0,035 W/(m·K).
Nicht am Fachbetrieb sparen: Eine falsch ausgeführte Kerndämmung kann Feuchte in der Konstruktion einschließen und Bauschäden verursachen. Verlange eine Endoskopie vor der Maßnahme, ein Protokoll über die eingebrachte Menge je Fläche und den Nachweis über die Zulassung des Dämmstoffs für die Kerndämmung. Ein Einblasverfahren in Eigenleistung gibt es aus gutem Grund nicht.

WDVS: worauf es in der Ausführung ankommt
Ein Wärmedämm-Verbundsystem ist immer ein geprüftes System aus Kleber, Dämmplatte, Dübeln, Armierungsgewebe, Unterputz und Oberputz. Die Komponenten dürfen nicht gemischt werden, sonst verlierst du Zulassung und Gewährleistung. Aus demselben Grund empfehlen wir hier ausdrücklich keine Eigenleistung: Verarbeitungsfehler an Sockel, Fensterlaibung und Attika zeigen sich erst Jahre später als Risse oder Durchfeuchtung.
Die kritischen Punkte sind die Anschlüsse, nicht die Fläche. Fensterlaibungen und Rollladenkästen werden mitgedämmt, sonst bleibt dort eine Wärmebrücke stehen. Der Sockel braucht einen druckfesten, wasserabweisenden Dämmstoff und eine funktionierende Abdichtung gegen Erdreich und Spritzwasser. Balkonplatten, Vordächer und Fensterbänke durchstoßen die Dämmebene und müssen einzeln gelöst werden. Auch Fallrohre, Außenleuchten und Hausnummer brauchen neue Befestigungen mit Spezialdübeln.
Sinnvoll ist die richtige Reihenfolge: Fenster zuerst, dann die Fassade. Nur so lassen sich Anschluss und Laibung in einem Zug richtig ausführen. Mehr dazu in unserem Ratgeber Fenster tauschen. Steht die Fassade sowieso im Gerüst, prüfe gleich, ob eine Dachdämmung sinnvoll mitgemacht werden kann.
Innendämmung nur mit Nachweis
Wenn die Fassade nicht angetastet werden darf, bleibt die Innendämmung. Sie ist bauphysikalisch der anspruchsvollste Fall, weil die Außenwand danach kälter bleibt als vorher: Der Taupunkt verschiebt sich nach innen, und Feuchte kann sich hinter der Dämmschicht sammeln. Ohne Berechnung des Feuchteverhaltens sollte hier niemand loslegen.
Bewährt haben sich kapillaraktive Systeme wie Kalziumsilikat- oder Mineraldämmplatten, die anfallende Feuchte aufnehmen und wieder an die Raumluft abgeben. Sie werden vollflächig und hohlraumfrei angeklebt – Luftspalte hinter der Platte sind der häufigste Fehler. Kritisch sind die Anschlüsse an Innenwände, Decken und einbindende Balken, weil dort Wärmebrücken bleiben. Nach dem Einbau lohnt es, Raumluftfeuchte und Oberflächentemperaturen mit einem Hygrometer* und einem Infrarot-Thermometer* zu beobachten. Wie du das Risiko im Alltag gering hältst, steht in unserem Ratgeber Schimmel vermeiden und entfernen.

Vorher und nachher messen
- Schwachstellen finden: Mit einer Wärmebildkamera* erkennst du an kalten Tagen von außen Wärmebrücken an Rollladenkästen, Heizkörpernischen und Deckenauflagern.
- Feuchte ausschließen: Ein Feuchtemessgerät für Mauerwerk* hilft, durchfeuchtete Sockelbereiche zu erkennen, bevor sie eingedämmt werden.
- Flächen sauber aufmessen mit einem Laser-Entfernungsmesser* – Angebote lassen sich nur mit belastbaren Quadratmeterzahlen vergleichen.
- Schnelle Zwischenlösung: Solange das große Projekt wartet, bringt eine Rollladenkasten-Dämmung* an zugigen Kästen sofort etwas.
Förderung 2026
Die Fassadendämmung ist eine Einzelmaßnahme an der Gebäudehülle: 15 Prozent Zuschuss vom BAFA bei förderfähigen Kosten von 30.000 Euro je Wohneinheit, mit individuellem Sanierungsfahrplan 60.000 Euro. Der iSFP-Bonus von 5 Prozentpunkten gilt seit dem 21. Juli 2026 nur auf den Kostenanteil über 30.000 Euro. Bei einem Vorhaben über 60.000 Euro ergibt das maximal 10.500 Euro Zuschuss. Energieberatung und Baubegleitung werden mit 50 Prozent gefördert, ein Energieeffizienz-Experte ist Pflicht. Alternativ steht der Steuerbonus nach § 35c EStG offen – aber nicht zusätzlich. Alle Details stehen in unserem Ratgeber Förderung 2026 im Überblick.
Häufige Fragen (FAQ)
Welcher U-Wert wird für die Außenwand gefordert?
Für die BAFA-Förderung höchstens 0,20 W/(m²K) am fertigen Bauteil. Nur wenn eine Kerndämmung wegen der Hohlraumbreite diesen Wert rechnerisch nicht erreichen kann, gilt die Sonderregel mit einem Dämmstoff mit Lambda kleiner oder gleich 0,035 W/(m·K).
Lohnt sich eine Kerndämmung mit nur drei Zentimetern Hohlraum?
Energetisch bleibt der Effekt begrenzt, wirtschaftlich kann es sich wegen der niedrigen Kosten dennoch rechnen. Viele Betriebe lehnen Hohlräume unter drei Zentimetern aber grundsätzlich ab, weil sich der Dämmstoff nicht sicher verteilen lässt. Lass das vor Ort beurteilen.
Kann ich ein WDVS selbst anbringen?
Wir raten davon ab. WDVS sind zugelassene Gesamtsysteme, und Fehler an Sockel, Laibung und Armierung führen zu Rissen und Feuchteschäden. Für die Förderung brauchst du ohnehin eine Fachunternehmererklärung. Sinnvolle Eigenleistung sind Vorarbeiten wie Abbau von Leuchten, Fallrohren und Markisen.
Bekommt die Fassade nach der Dämmung Algen?
Möglich, weil die Oberfläche außen kühler bleibt und länger feucht ist. Entgegen wirken ein ausreichender Dachüberstand, eine Fassadenfarbe mit hoher Wasserdampfdurchlässigkeit und ein Putzsystem, das schnell abtrocknet. Besprich das mit dem Fachbetrieb, statt nachher zu streichen.
Wie lange dauert eine Fassadendämmung?
Für ein Einfamilienhaus mit WDVS sind je nach Wetter und Fläche drei bis sechs Wochen inklusive Gerüst und Trocknungszeiten realistisch. Eine Kerndämmung im zweischaligen Mauerwerk ist dagegen meist an einem Arbeitstag erledigt.
Über diesen Ratgeber
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von Heimwert Steigern recherchiert und geschrieben. Grundlage sind die technischen Mindestanforderungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG EM), das Gebäudemodernisierungsgesetz, Grundlagen der DIN 4108 zum Wärme- und Feuchteschutz, Herstellerangaben zu Kerndämmstoffen sowie aktuelle Kostenerhebungen von Energieberatungs- und Sanierungsportalen. Wir aktualisieren unsere Ratgeber, wenn sich Normen, Preise oder Förderbedingungen ändern.
Die Inhalte ersetzen keine individuelle Fach-, Rechts- oder Steuerberatung. Arbeiten an Strom, Gas, Statik und Abdichtung gehören in die Hände von Fachbetrieben.
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Zuletzt aktualisiert: 26. September 2026